FFA
Beispiele aus Sicht eines Händlers und aus der Sicht eines Reeders
BCI Route 4 Richards Bay / Rotterdam - Kohlehändler (Charterers) Hedge
Es ist Anfang Januar, eine Europäischer Kohlehändler berechnet heute den Verkaufspreis für 150,000mt Kohle in Richards Bay zum Kontinent, die er am Ende des ersten Quartals im März verschiffen möchte. Währungsschwankungen und Frachtraten sind unter anderem Variablen, die der Händler gerne heute schon fixieren möchte, um genug Profit auf seinen Verkaufspreis zu berechnen. Er befürchtet steigende Charterraten, und möchte die aktuellen Verschiffungskosten nutzen, um seine Gewinnmarge zu sichern.
Heute, Anfang Januar, kauft der Kohlehändler ein März Route 4 (BCI) Richards Bay / Rotterdam FFA mit Fälligkeit Ende März. Der Kontraktpreis heute ist $ 19.00. Der am Ende der Laufzeit gegenüberzustellende Abrechnungspreis (settlement price) errechnet sich aus dem Durchschnitt der letzten sieben Indextage im März.
Szenario A
Die Charterraten sind gestiegen, und der Kohlehändler muss physisch Ende März seine 150,000mt Kohle zu $ 22.00 pro Tonne schliessen. Dies bedeutet eine Differenz von $ 3.00 pro Tonne zum gekauften FFA, also insgesamt 150,000 x $ 3.00 = $ 450,000.
Da sich die Indizes an den Entwicklungen des physischen Chartermarktes orientieren, ist der Abrechnungspreis für das FFA (Basisrisiko außer Acht gelassen) zu diesem Zeitpunkt ebenfalls bei $ 22.00. Der Kohlehändler kaufte zu $ 19.00 und erhält daher nun $ 3.00 pro Tonne, bei vereinbarten 150,000mt im Kontrakt macht dies einen Gewinn von $ 450,000 auf der Papierseite.
Das Resultat: die physische Fracht und der Papiergewinn gleichen einander aus. Der Kohlehändler sicherte mit Kauf des FFA im Januar seine avisierte Gewinnmarge erfolgreich zu $ 19.00 pro Tonne ab.
Szenario B
Im Fall von sinkenden Frachtraten verhält es sich genau anders herum. Der Kohlehändler verliert auf der Papierseite gewinnt aber physisch durch sinkende Raten für sein Schiff. Das Endergebnis bleibt gleich - die Ladung bringt ihm $ 19.00 pro Tonne ein.
BSI Average 5 Time Charter - Reeder (Owners) Hedge
Es ist Mitte November. Ein Schiffseigner weiss, das Ende des ersten Quartals des kommenden Jahres eines seiner Supramax Schiffe, welches er Spot handelt, zurück auf den Markt kommen wird. In der Regel schliesst er seine Schiffe für drei bis sechs Monate und möchte dies auch hier für das zweite und dritte Quartal des besagten Jahres tun.
Als Schiffseigner ist er Verkäufer von Fracht, analog ist er also auch Verkäufer des FFA Kontraktes. Er befürchtet die Auswirkungen eines fallenden Marktes und möchte sich die aktuellen Forward Raten für das kommende Jahr auf dem Papiermarkt sichern. Er verkauft also heute das Q2&3 FFA (Quarter 2+3) zu einem Preis von $ 25.000 pro Tag.
Szenario A
Für den Fall, dass sich die Befürchtungen des Schiffseigners bewahrheiten (der Chartermarkt ist Ende des ersten Quartals gefallen), liegt auch der Preis seines Q2&3 Papiers (Basisrisiko außer Acht gelassen) um den gleichen Wert niedriger. Mit dem Abschluss einer Periodencharter für sein Schiff, kauft er zeitgleich den FFA zu dem aktuell billigeren Kurs zurück und sichert sich damit die Differenz zu seinem Verkaufspreis mal der Laufzeit.
Er schliesst sein Schiff also zu $ 20,000 pro Tag für sechs Monate. Im Vergleich zu seiner FFA Position bedeutet dies eine Differenz von $ 5,000 täglich, bei einer Periode von 6 Monaten insgesamt $ 5.000 x 183 Tage = $ 915,000.
Analog ist seine Papierposition für Q2&3 ebenfalls auf $ 20,000 gefallen. Zu diesem Preis kauft der Eigner nun einen FFA am Markt zurück. Er kauft also ein Q2&3 Papier für $ 5,000 pro Tag weniger als er es im vorigen Jahr verkauft hat und gleicht damit gerechnet auf die gesamte Laufzeit von 183 Tagen die geringere Charterrate auf der physischen Position mit einem identischen Gewinn auf seiner Papierposition aus.
Szenario B
Für den Fall, dass die Charterraten wider Erwarten zum Zeitpunkt des physischen Fixtures über jenen im Vorjahr liegen, verhält sich die oben beschriebene Kalkulation genau entgegengesetzt. Das Endresultat bleibt das Gleiche - in den Büchern stehen $ 25,000 pro Tag. Der Schiffseigner hätte jedoch in Anbetracht eines sich abzeichenden Aufwärtstrends die Möglichkeit, seine Papierposition frühzeitig zu schliessen - einen reduzierten Verlust auf dem Papiermarkt hinzunehmen und sich damit die Chance zu erhalten von steigenden Raten in vollem Umfang zu profitieren. Allerdings bleibt zu bedenken, dass damit die Absicherung durch einen Hedge aufgehoben wird und der Eigner ungeschützt den Launen des Marktes ausgesetzt ist.
Dies alles könnt Ihr auch in dem FFA Leitfaden nachlesen. Der Leitfaden ist freundlicherweise von *Ernst Russ zur Verfügung gestellt worden. Danke schön!
Disclaimer:
Seit 31. Dezember 2008 hat *Ernst Russ keine FFA Abteilung mehr und bietet die Vermarktung und Vermittlung von FFAs nicht mehr an.